Reicht mein Hausanschluss für die geplanten Ladestationen?
Die Frage, ob der Hausanschluss für Ladestationen reicht, kommt in fast jedem Projekt — und sie ist schwerer zu beantworten, als sie klingt. Nicht weil die Daten fehlen, sondern weil kaum jemand weiss, was «genug» im konkreten Fall bedeutet. Eine Anschlussleistung sagt für sich genommen wenig darüber aus, wie viele Ladepunkte ein Standort trägt.
Eines vorweg, weil es oft verwechselt wird: Ein Lastmanagement kommt in aller Regel ohnehin. Die Werkvorschriften der Schweizer Verteilnetzbetreiber verlangen es typischerweise ab der zweiten Ladestation — unabhängig davon, wie stark der Anschluss ist. Die Frage lautet also nicht, ob geregelt wird, sondern wie viel Leistung dem Ladepark real zur Verfügung steht und ob sie zum Bedarf passt.
Das klärt sich in drei Schritten.
Schritt 1: Wissen, was heute tatsächlich fliesst
Massgebend ist nicht die Nennleistung des Anschlusses, sondern der Verlauf des Bezugs über Tage und Wochen — der Lastgang.
Zwei Wege führen dorthin. Wo ein Smart Meter verbaut ist, und das ist in der Schweiz inzwischen fast überall der Fall, liegen die Daten beim Netzbetreiber. Herausgegeben werden sie in der Regel nur an die Eigentümerschaft — wer als Verwaltung oder Mieterin plant, braucht dafür eine Vollmacht oder den Weg über den Eigentümer.
Der zweite Weg ist die eigene Lastgangmessung, und sie hat einen Vorteil, der oft übersehen wird: Das Messgerät kann fest verbaut bleiben und später als Messpunkt für das Lastmanagement dienen. Man misst also nicht nur, sondern baut bereits einen Teil der späteren Anlage. Entscheidend ist dabei die Gerätewahl — nur ein Messgerät mit eigenem Speicher zeichnet den Lastgang tatsächlich auf; ohne Speicher sehen Sie Momentanwerte und danach nichts mehr.
Interessant ist am Ende nicht der Mittelwert, sondern die Spitze und ihr Zeitpunkt. Ein Gewerbebetrieb mit Lastspitze am Vormittag hat abends Reserven, die ein Ladepark nutzen kann. Ein Standort mit Spitze am frühen Abend hat genau dann keine, wenn die Fahrzeuge zurückkommen.
Schritt 2: Den Bedarf beziffern
Der zweite Schritt ist die Gegenrechnung: Wie viel Leistung brauchen die geplanten Ladepunkte — und wie viel davon gleichzeitig?
Reine AC-Ladepunkte sind gut planbar. Ein Ladepunkt mit 11 kW zieht 11 kW, und über Nacht reicht das für die allermeisten Personenwagen. Zehn solche Punkte ergeben rechnerisch 110 kW — real laden aber selten alle gleichzeitig mit voller Leistung, und genau diese Differenz macht ein Lastmanagement nutzbar.
Kommt DC-Schnellladen dazu, ändert sich die Rechnung grundlegend. Ein Schnelllader kann mehr Leistung beanspruchen als sämtliche AC-Punkte zusammen, und er tut es in kurzen, hohen Spitzen. Ob DC am Standort nötig ist, hängt an Standzeit, Batteriegrösse und Fahrleistung der Fahrzeuge — dazu mehr im Beitrag AC oder DC: Welche Ladestation passt zu Ihrem Standort?.
Schritt 3: Messpunkte und Topologie festlegen
Steht der Bedarf, folgt die Frage, wo gemessen und wie geregelt wird. Sie wird oft übersehen, entscheidet aber über Aufwand und Gerätewahl.
Ein Lastmanagement regelt nicht blind, sondern anhand von Messwerten. Ein Messpunkt am Hausanschluss ist bei Ladestationen praktisch immer nötig oder zumindest sinnvoll: Er liefert dem System den Gesamtbezug des Standorts, und daraus ergibt sich, wie viel Leistung den Ladepunkten in diesem Moment noch zur Verfügung steht. Das Lastmanagement liest diesen Punkt aus und verteilt entsprechend.
Wie viele weitere Ebenen dazukommen, hängt an der Anlage. Die einfachste Konstellation ist eine Ladegruppe hinter einem Verteiler. Sobald mehrere Verteiler, Gebäudeteile oder Nutzergruppen im Spiel sind, muss das System nicht nur die Ladepunkte untereinander abstimmen, sondern auch gegen übergeordnete Grenzen. Wo Ladeinfrastruktur in Etappen wächst, lohnt es sich, diese Ebenen von Anfang an mitzudenken — ein System, das nur eine Ebene kennt, wird beim zweiten Ausbauschritt ersetzt.
Was der Hausanschluss für Ladestationen wirklich kostet: die Leistungsspitze
Ab einer gewissen jährlichen Bezugsmenge wird ein Standort als Grossverbraucher eingestuft — wo die Schwelle liegt, unterscheidet sich je nach Verteilnetzbetreiber. Ab dann wird nicht mehr nur die bezogene Energie verrechnet, sondern zusätzlich die höchste gemessene Bezugsspitze.
Für Ladeinfrastruktur ist das der wirtschaftlich entscheidende Punkt. Eine einzige ungeregelte Spitze kann die Verrechnungsgrundlage für einen langen Zeitraum anheben — und zwar unabhängig davon, wie viel Energie danach tatsächlich bezogen wird. Ein Lastmanagement verhindert genau das: Es kappt die Spitze, statt sie entstehen zu lassen.
Wer beim Vergleich von Angeboten nur die Anschaffungskosten betrachtet, übersieht diesen Posten regelmässig. Über die Betriebsdauer kann er die Investition in ein sauberes Energie- und Lastmanagement mehrfach aufwiegen.
Was die Antwort in der Praxis bedeutet
In vielen Projekten lautet sie: Der Hausanschluss trägt die geplanten Ladestationen. Die freie Leistung ist vorhanden, sie liegt nur zu anderen Zeiten und muss verteilt statt ausgebaut werden.
In anderen zeigt die Messung, dass die Reserve zu knapp ist. Auch dann ist das Ergebnis wertvoll, weil es früh kommt: Ein Anschlussausbau hat Vorlaufzeit beim Netzbetreiber, und diese Zeit lässt sich einplanen, solange das Projekt noch nicht terminiert ist.
Ungünstig ist nur die dritte Variante — Geräte bestellen und die Frage danach stellen.
Wenn Sie bei diesen Schritten Unterstützung brauchen: Melden Sie sich, wir sehen uns die Zahlen Ihres Standorts gerne gemeinsam an.
Häufige Fragen
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Ab wann brauche ich ein Lastmanagement?
In der Schweiz verlangen die Werkvorschriften der Verteilnetzbetreiber typischerweise ab der zweiten Ladestation ein Lastmanagement. Massgebend sind die Vorschriften des für Ihren Standort zuständigen Netzbetreibers — sie unterscheiden sich regional.
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Woher bekomme ich den Lastgang meines Standorts?
Wo ein Smart Meter verbaut ist, liegen die Daten beim Netzbetreiber und werden in der Regel an die Eigentümerschaft herausgegeben. Alternativ wird selbst gemessen — mit einem Messgerät, das einen eigenen Speicher hat und später als Messpunkt für das Lastmanagement bestehen bleiben kann.
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Wie lange sollte eine Lastgangmessung dauern?
Eine typische Woche ist das Minimum, ein Monat mit unterschiedlichen Betriebszuständen die belastbarere Grundlage. Entscheidend ist, dass die üblichen Spitzen im Messzeitraum vorkommen.
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Was passiert, wenn der Hausanschluss für die Ladestationen nicht reicht?
Dann stehen mehrere Wege offen: ein Lastmanagement, das die vorhandene Leistung verteilt, die Einbindung einer Photovoltaikanlage oder eines Batteriespeichers, oder als letzte Möglichkeit der Anschlussausbau beim Netzbetreiber. Der Ausbau ist selten die günstigste Variante und hat Vorlaufzeit.
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Warum ist die Leistungsspitze wirtschaftlich relevant?
Ab einer bestimmten jährlichen Bezugsmenge — die Schwelle setzt der Verteilnetzbetreiber — wird zusätzlich zur Energie die höchste gemessene Leistungsspitze verrechnet. Eine einzelne ungeregelte Spitze kann die Kosten über einen langen Zeitraum anheben.
